Immobilienkauf trotz höherer Zinsen: Lohnt er sich langfristig?

Viele Kaufinteressierte schauen gerade auf die Bauzinsen und zögern. Ist jetzt wirklich der richtige Zeitpunkt? Die Frage ist verständlich, aber sie greift zu kurz. Denn ob sich der Immobilienkauf trotz Zinsen lohnt, hängt nicht allein vom aktuellen Zinsniveau ab, sondern von mehreren Faktoren, die zusammenspielen. Dieser Artikel hilft Ihnen, das große Bild zu sehen und eine fundierte Entscheidung zu treffen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Zinssatz ist nur ein Faktor neben Kaufpreis, Tilgung und Wertentwicklung.
- Langfristig schützt Eigentum vor steigenden Mieten und baut Vermögen auf.
- Solides Eigenkapital verbessert Konditionen und Planungssicherheit erheblich.
- Lange Zinsbindung sichert Kalkulierbarkeit über viele Jahre.
Warum der Zinssatz allein nicht entscheidet
Der Zinssatz beeinflusst die monatliche Rate und damit die kurzfristige Belastung. Er bestimmt jedoch nicht allein, ob sich ein Kauf über zwanzig oder dreißig Jahre lohnt. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Kaufpreis, Eigenkapital, Tilgung, möglicher Wertentwicklung und der Mietersparnis, die ein Eigentümer dauerhaft erzielt.
Zum Vergleich: Wer um das Jahr 2000 eine Immobilie kaufte, zahlte für Hypothekarkredite mit zehnjähriger Zinsbindung im Jahresdurchschnitt rund 6,66 Prozent (Deutsche Bundesbank, 2026). Die Objekte waren gemessen an heutigen Preisen vielerorts günstiger, die Finanzierung war dennoch deutlich teurer als während der Niedrigzinsphase.
Der Beratungsdienstleister Dr. Klein erwartet für das erste Halbjahr 2026 eine Zinsspanne von 3,1 bis 3,7 Prozent bei zehnjährigen Baufinanzierungen (Dr. Klein, 2026). Für das zweite Halbjahr 2026 nennt das Unternehmen eine Spanne von 3,3 bis 3,9 Prozent für zehnjährige Darlehen (Dr. Klein, 2026). Ein allgemeingültiger 30-Jahres-Durchschnitt hängt von der jeweiligen Datenreihe und dem betrachteten Zeitraum ab; eine Einordnung deutlich unter den Spitzenwerten früherer Jahrzehnte ist jedoch möglich.
Das bedeutet: Die Zinsen sind gestiegen, historisch betrachtet aber nicht außergewöhnlich hoch. Kaufinteressierte sollten sich daher fragen, ob sie auf deutlich günstigere Zinsen warten wollen, und dabei einrechnen, dass in dieser Zeit Kaufpreise wieder steigen können.
Was Tilgung und Mietersparnis langfristig bewirken
Jede Tilgungsrate, die Sie zahlen, baut Ihr Eigentum auf. Das unterscheidet die Finanzierung grundlegend von der Miete. Mietzahlungen schaffen bei einer selbst genutzten Wohnung kein Eigentum; sie decken den laufenden Wohnbedarf.
Bei einem Annuitätendarlehen mit gleichbleibenden Raten sinkt der Zinsanteil mit der Zeit, während der Tilgungsanteil steigt (Verbraucherzentrale, 2026). Das heißt: Je länger Sie zahlen, desto mehr geht direkt in Ihr Eigentum. Nach vollständiger Rückzahlung entfällt die monatliche Darlehensrate, während Mieter weiter zahlen. Laufende Kosten wie Instandhaltung, Versicherungen, Grundsteuer und gegebenenfalls Hausgeld bleiben für Eigentümer jedoch bestehen.
Dieser Effekt wirkt besonders stark im Alter. Wenn Sie im Rentenalter mietfrei wohnen, haben Sie geringere laufende Wohnkosten und damit mehr finanziellen Spielraum. Das macht die eigengenutzte Immobilie zu einem möglichen Baustein der Altersvorsorge, ersetzt aber keine umfassende Finanzplanung.
Hinzu kommt die Absicherung gegen Mietsteigerungen. Die Nettokaltmieten in Deutschland sind in den vergangenen Jahren weiter gestiegen; im November 2025 lagen sie laut Statistischem Bundesamt 2,1 Prozent über dem Vorjahresmonat (Statistisches Bundesamt, 2025). Als Eigentümer sind Sie von einer vergleichbaren Erhöhung der eigenen Wohnkosten weitgehend unabhängig. Diese Planungssicherheit hat einen wirtschaftlichen Wert, auch wenn sie sich nicht direkt in Renditekennzahlen ausdrückt.
Kaufpreise und Verhandlungsspielraum im aktuellen Marktumfeld
Gegenüber der Niedrigzinsphase haben sich die Rahmenbedingungen für Käufer verändert. Mit dem Zinsanstieg gingen die Kaufpreise in vielen Regionen zunächst zurück. Seit 2024 zeigen verschiedene Marktindizes wieder leichte Erholungen, allerdings mit deutlichen regionalen Unterschieden (Interhyp, 2024; empirica, 2025).
Laut Interhyp lag der durchschnittliche Kaufpreis für eine Immobilie zum Bau oder Kauf inklusive Nebenkosten in Deutschland im zweiten Quartal 2024 bei 456.000 Euro und damit 1,6 Prozent über dem Vorquartal (Interhyp, 2024). Für Berlin meldete Interhyp im selben Zeitraum einen Anstieg der Preise um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal (Interhyp, 2024). Eine pauschale Aussage, wonach die deutschen Immobilienpreise seit Anfang 2024 um genau 1,5 Prozent gestiegen seien, lässt sich daraus nicht ableiten.
Das bedeutet: Günstigere Kaufpreise können höhere Zinsen teilweise ausgleichen. Ob das im Einzelfall gelingt, hängt vom Kaufpreis, dem Finanzierungsbetrag, dem Eigenkapital, dem Zinssatz und der Tilgung ab.
Ein konkretes Rechenbeispiel zeigt, wie stark dieser Effekt sein kann. Für eine 100-Quadratmeter-Wohnung in Berlin können sich die Finanzierungskosten bei veränderten Kaufpreisen und Zinssätzen deutlich unterscheiden. Eine allgemeingültige Ersparnis lässt sich daraus jedoch nicht ableiten; entscheidend sind die konkreten Annahmen des jeweiligen Finanzierungsvergleichs.
Verkäufer sind in vielen Märkten verhandlungsbereiter als während der Niedrigzinsphase. Das gilt insbesondere für Objekte mit hohem Sanierungsbedarf, überhöhten Preisvorstellungen oder längeren Vermarktungszeiten. Wenn Sie Ihr Budget offen kommunizieren, können Sie in Preisverhandlungen unter Umständen mehr erreichen als in einem stark nachfragegetriebenen Markt.
So lässt sich die Finanzierung solide aufstellen
- Eigenkapital von mindestens 20 Prozent des Kaufpreises anstreben, damit ein Teil des Kaufpreises und die Kaufnebenkosten gedeckt sind und die Konditionen besser werden.
- Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und ggf. Makler) separat einplanen: Sie belaufen sich häufig auf etwa 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises und sollten möglichst aus Eigenmitteln bezahlt werden.
- Zinsbindung von mindestens 15 Jahren prüfen, um Planungssicherheit zu gewinnen und das Risiko einer teureren Anschlussfinanzierung zu reduzieren.
- Sondertilgungsoptionen vereinbaren, um die Restschuld bei guter Einkommenslage früher abzubauen.
- Fördermittel prüfen: KfW, BAFA und Landesförderinstitute bieten je nach Objekt und Sanierungsvorhaben Zuschüsse oder günstige Darlehen.
Eine längere Zinsbindung kostet anfangs häufig etwas mehr. Bei einem Darlehen über 300.000 Euro hängt der konkrete Aufpreis zwischen zehn und dreißig Jahren Zinsbindung vom Anbieter, Beleihungsauslauf, Einkommen und Finanzierungsprofil ab. Ein pauschaler Aufschlag von 0,6 Prozentpunkten beziehungsweise Mehrkosten von etwa 18.000 Euro lässt sich daher nicht verallgemeinern. Der Aufpreis kann Ihnen jedoch Planungssicherheit verschaffen: Sie kennen die monatliche Rate während der vereinbarten Zinsbindungsphase.
Die Darlehenssummen sind laut Dr. Klein zuletzt gestiegen. Im zweiten Tertial 2026, also von Mai bis August, nennt das Unternehmen eine durchschnittliche Darlehenssumme von 276.635 Euro und eine durchschnittliche monatliche Rate von 1.087 Euro (Dr. Klein, 2026). Diese Werte beschreiben das von Dr. Klein ausgewertete Finanzierungsvolumen und sind kein allgemeiner Durchschnitt für alle Immobilienkäufe in Deutschland.
Immobilie als Investition: Was beim Vermögensaufbau langfristig zählt
Ob die Immobilie als Investition zum Eigennutz oder zur Kapitalanlage dient, verändert die Bewertung. Bei der Eigennutzung steht die Mietersparnis im Mittelpunkt. Bei der Kapitalanlage sind Mietrendite, laufende Kosten, Finanzierung und Wertentwicklung die entscheidenden Kennzahlen.
Für vermietete Immobilien gibt es keine bundesweit einheitliche Nettomietrendite, die für jede Lage und jeden Zustand als realistischer Richtwert gilt. Die Nettorendite kann in Metropolen wegen hoher Kaufpreise niedrig ausfallen, während sie in kleineren Städten oder ländlichen Regionen höher sein kann. Als Prüfgröße beim Kauf lässt sich das Verhältnis von Kaufpreis zur Jahresnettokaltmiete heranziehen. Ein Faktor von 25 entspricht rechnerisch einer Bruttomietrendite von 4 Prozent; die Nettomietrendite liegt wegen nicht umlagefähiger Kosten, Instandhaltung, Verwaltung und weiterer Aufwendungen niedriger.
| Kriterium | Eigengenutzte Immobilie | Vermietete Immobilie |
|---|---|---|
| Zentraler Nutzen | Mietersparnis, Altersvorsorge | Mieteinnahmen, Rendite |
| Steuerliche Effekte | Keine laufende Absetzbarkeit der privaten Wohnkosten | Schuldzinsen und bestimmte Kosten können bei Vermietung als Werbungskosten abziehbar sein; die Abschreibung richtet sich nach den gesetzlichen Voraussetzungen |
| Liquidität | Gering (Verkauf dauert) | Gering (Verkauf dauert) |
| Inflationsschutz | Ja, als Sachwert | Ja, teilweise abhängig von Mietvertrag, Mietentwicklung und Kosten |
| Wichtigste Voraussetzung | Solide Finanzierung, langer Zeithorizont | Lage, Vermietbarkeit, Kaufpreis |
Für beide Varianten gilt: Eine Immobilie ist kein kurzfristiges Investment. Wenn Sie langfristig planen und kaufen, um über viele Jahre zu halten, können Sie von Tilgung, Mietersparnis und einer möglichen Wertentwicklung profitieren. Konkrete Renditeversprechen lassen sich dabei jedoch nicht geben: Lage, Zustand, Kaufpreis, Finanzierung und die regionale Marktentwicklung bestimmen das Ergebnis stark mit.
Fazit
Ob sich ein Immobilienkauf trotz höherer Zinsen langfristig lohnt, lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Der Zinssatz ist real und erhöht die monatliche Belastung. Er ist aber nur ein Faktor neben dem Kaufpreis, der Tilgungswirkung, der dauerhaften Mietersparnis und der langfristigen Wertentwicklung.
Wenn Sie solides Eigenkapital mitbringen, eine zur persönlichen Situation passende Zinsbindung wählen und einen realistischen Finanzplan erstellen, können Sie auch in einem Zinsumfeld von etwa drei bis vier Prozent eine tragfähige Entscheidung treffen. Der nächste sinnvolle Schritt: ein unabhängiges Finanzierungsgespräch führen, Eigenkapital und monatliche Belastbarkeit prüfen und dabei auch Fördermittel konkret abfragen.
Häufige Fragen
Sind Zinsen von rund drei bis vier Prozent historisch gesehen hoch?
Nein, historisch betrachtet nicht außergewöhnlich hoch. Für das erste Halbjahr 2026 erwartete Dr. Klein bei zehnjährigen Darlehen eine Spanne von 3,1 bis 3,7 Prozent; für das zweite Halbjahr wurde eine Spanne von 3,3 bis 3,9 Prozent genannt (Dr. Klein, 2026). Um das Jahr 2000 lagen die durchschnittlichen Zinsen für Hypothekarkredite mit zehnjähriger Zinsbindung bei rund 6,66 Prozent (Deutsche Bundesbank, 2026). Die Niedrigzinsphase der 2010er-Jahre und der frühen 2020er-Jahre war im historischen Vergleich ein besonders niedriges Zinsumfeld.
Wie viel Eigenkapital sollte ich beim Immobilienkauf mitbringen?
Als Orientierungsgröße gelten mindestens 20 Prozent des Kaufpreises plus die anfallenden Kaufnebenkosten. Diese betragen häufig etwa 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises und umfassen insbesondere Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchkosten sowie gegebenenfalls die Maklerprovision (Verbraucherzentrale, 2026). Mit mehr Eigenkapital verbessern sich in der Regel die Konditionen der Bank. Weniger ist möglich, erhöht aber die monatliche Belastung und das Finanzierungsrisiko.
Lohnt sich warten, bis die Zinsen wieder sinken?
Das lässt sich nicht sicher vorhersagen. Dr. Klein erwartete für 2026 eine weitgehend stabile Entwicklung mit leichter Aufwärtstendenz; andere Prognosen reichen bis an die Marke von vier Prozent für zehnjährige Baufinanzierungen (Dr. Klein, 2026; Biallo, 2026). Gleichzeitig könnten sinkende Zinsen die Nachfrage und damit die Kaufpreise wieder steigen lassen. Der günstigste Kauf ergibt sich aus der Kombination von Preis, Zinssatz, Eigenkapital und Tilgung, nicht allein aus dem Zinsniveau.
Welche Zinsbindung ist bei einem Immobilienkauf empfehlenswert?
Viele Verbraucherzentralen empfehlen, bei einer langfristigen Finanzierung eine Zinsbindung von 15 bis 20 Jahren zu prüfen, insbesondere wenn Planungssicherheit wichtig ist (Verbraucherzentrale, 2026). Eine längere Bindung kostet anfangs häufig etwas mehr, sichert Ihnen aber das vereinbarte Zinsniveau für einen längeren Zeitraum. Welche Dauer sinnvoll ist, hängt unter anderem von Budget, Restschuld, Zinsangebot und persönlicher Risikobereitschaft ab.
Kann ich als Kapitalanleger heute noch eine auskömmliche Mietrendite erzielen?
Das hängt stark von Lage, Kaufpreis, Mieteinnahmen und laufenden Kosten ab. Ein Kaufpreisfaktor von 25 entspricht einer Bruttomietrendite von 4 Prozent; nach Abzug nicht umlagefähiger Kosten, Instandhaltung, Verwaltung und weiterer Aufwendungen fällt die Nettomietrendite niedriger aus. In Metropolen mit hohen Kaufpreisfaktoren ist die Anfangsrendite oft geringer, kann aber durch Mietentwicklung und Wertzuwachs langfristig attraktiver werden. Eine sorgfältige Standort- und Objektanalyse ist vor dem Kauf unerlässlich.

Sophie Wagner
Sophie Wagner schreibt über Immobilien, Wohnlagen und Fragen rund um Kauf, Miete und den passenden Wohnort. Ihr Fokus liegt auf klaren Informationen und hilfreicher Orientierung für Leserinnen und Leser.