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Welche Voraussetzungen sollte man vor dem Immobilienkauf erfüllen?

Lena HoffmannAutor: Lena Hoffmann
Zuletzt aktualisiert: 18. September 2026
Lesedauer: 6 Minuten
Welche Voraussetzungen sollte man vor dem Immobilienkauf erfüllen?

Bevor Sie ein Haus oder eine Wohnung kaufen, stellt sich eine ganz praktische Frage: Bin ich überhaupt bereit dafür, und wenn ja, wo fange ich an? Der Weg vom Wunsch zum Eigenheim ist kein Sprint, sondern ein Prozess mit mehreren Etappen. Dieser Artikel zeigt Ihnen, welche Voraussetzungen Sie vor dem Immobilienkauf erfüllen sollten, damit der Kauf auf einem soliden Fundament steht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Klären Sie Ihre finanzielle Ausgangslage, bevor Sie mit der Suche beginnen.
  • Eigenkapital von 20 bis 30 Prozent der Gesamtkosten gilt als empfohlener Richtwert.
  • Kaufnebenkosten können 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises ausmachen – einplanen.
  • Bonität, passende Unterlagen und ein realistisches Budget sind die entscheidenden Voraussetzungen.

Wie viel Immobilie können Sie sich leisten?

Bevor Sie auch nur ein Exposé aufrufen, sollten Sie wissen, was monatlich realistisch tragbar ist. Als Faustregel gilt: Die monatliche Kreditrate sollte nicht mehr als 30 bis 40 Prozent Ihres Nettoeinkommens betragen (Verbraucherzentrale, 2024; Interhyp, 2026). Interhyp empfiehlt, die Belastung auf maximal 40 Prozent zu begrenzen, in großen Städten kann die tatsächliche Belastung aber höher liegen (Interhyp, 2026; unternehmer.de, 2026).

Ein einfaches Rechenbeispiel: Bei einer monatlich leistbaren Rate von 700 Euro und einem kombinierten Zins- und Tilgungssatz von 3,5 Prozent ergibt sich ein mögliches Darlehen von rund 240.000 Euro. Diese Größenordnung entspricht typischen Beispielrechnungen von Baufinanzierungsrechnern bei ähnlichen Parametern (baufinanzierung-muenchen.com, 2026). Wenn Sie zusätzlich 60.000 Euro Eigenkapital einbringen, kommen Sie auf ein Gesamtbudget von rund 300.000 Euro.

Davon müssen Sie jedoch noch die Kaufnebenkosten abziehen. Diese können je nach Bundesland und Situation 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises betragen (VR-Bank, 2025; Baufi24, 2026). Bei einem Budget von 300.000 Euro schrumpft der verfügbare Betrag für die Immobilie damit auf rund 270.000 Euro, wenn Sie mit rund 10 Prozent Nebenkosten rechnen.

Konkret setzt sich diese Rechnung aus folgenden Posten zusammen:

  • Grunderwerbsteuer: je nach Bundesland 3,5 bis 6,5 Prozent des Kaufpreises (Finanztip, 2021; Steuergenau, 2026)
  • Notar- und Grundbuchkosten: insgesamt meist rund 1,5 bis 2 Prozent des Kaufpreises (Deutschland-Rechner, 2026)
  • Maklerprovision: falls ein Makler beteiligt ist, regional unterschiedlich, oft bis etwa 3,5 Prozent für die Käuferseite (Dr. Klein, 2023)

Eine ehrliche Gegenüberstellung von Einnahmen, Ausgaben und Rücklagen ist der erste und wichtigste Schritt, bevor Sie die Suche — ob nach einem Haus kaufen oder einer Wohnung kaufen — aufnehmen.

Wie viel Eigenkapital brauchen Sie für den Hauskauf?

Eigenkapital von mindestens 20 bis 30 Prozent der Gesamtkosten gilt als empfohlener Richtwert für eine solide Baufinanzierung (Sparkasse, 2025; LBS, 2023; Immowelt, 2024). Als absolutes Minimum sollte das Eigenkapital zumindest die Kaufnebenkosten abdecken, also jenen Betrag, den die meisten Banken nicht mitfinanzieren (Interhyp, 2025; Deutschland-Rechner, 2026).

Als Eigenkapital zählen nicht nur Ersparnisse. Auch Bausparguthaben, Rückkaufswerte aus Lebensversicherungen, Wertpapiervermögen und schuldenfreie Grundstücke können eingebracht werden (Sparkasse, 2025). Unter bestimmten Umständen erkennen Banken sogar Eigenleistungen am Haus als sogenannte Muskelhypothek an, die typischerweise bis zu rund 10 Prozent der Baukosten oder Kreditsumme angerechnet werden kann, sofern sie fachgerecht geplant und nachgewiesen wird (diverse Baufinanzierungsratgeber, 2023–2025 – bankabhängige Praxis).

Je mehr Eigenkapital Sie einbringen, desto günstiger werden in der Regel Ihre Zinsen, weil das Risiko für die Bank sinkt (Bestebaufinanzierung, 2025; Interhyp, 2025). Wenn Sie 20 bis 30 Prozent selbst mitbringen, erhalten Sie erfahrungsgemäß bessere Konditionen als bei einer Vollfinanzierung (Bestebaufinanzierung, 2026).

Eine Vollfinanzierung ohne Eigenkapital ist grundsätzlich möglich, setzt aber eine sehr gute Bonität, hohes Einkommen und eine erstklassige Lage der Immobilie voraus (Immobilie.nrw, 2026). Das Risiko ist deutlich höher, weil bei schwankenden Immobilienwerten schnell eine Überschuldungssituation entstehen kann.

Was prüft die Bank bei Ihrer Bonität?

Banken prüfen beim Finanzierungsantrag vier zentrale Faktoren: Ihr Einkommen, Ihr Eigenkapital, den Wert der Immobilie als Sicherheit und Ihre SCHUFA-Einträge (Baufi24, 2026; Geldundverbraucher, 2026). Ein unbefristeter Arbeitsvertrag, ein stabiles Einkommen und ausreichend Eigenkapital sind dabei klare Pluspunkte.

Negative SCHUFA-Einträge können die Kreditwürdigkeit erheblich beeinträchtigen und führen bei vielen Banken zur Ablehnung des Darlehensantrags, insbesondere bei offenen, schwerwiegenden Negativmerkmalen wie laufender Privatinsolvenz oder Haftbefehl (Huettig & Rompf, 2025; Baufi24, 2026). Leichtere oder erledigte Einträge müssen allerdings nicht in jedem Fall ein absolutes Ausschlusskriterium sein; hier entscheiden Banken häufig im Einzelfall (Hausbauhelden, 2023).

Selbstständige sollten in der Regel mindestens zwei bis drei Jahre Geschäftstätigkeit nachweisen können, damit die Einkommenssituation verlässlich bewertet werden kann (Baufi24, 2025).

Für das Finanzierungsgespräch bei der Bank sollten Sie folgende Unterlagen bereithalten:

  1. Gehaltsnachweise der letzten drei Monate
  2. Die letzten ein bis drei Steuerbescheide (insbesondere für Selbstständige)
  3. Aktuelle SCHUFA-Selbstauskunft
  4. Eigenkapitalnachweise (Kontoauszüge, Sparbücher, Depotauszüge)
  5. Exposé und Grundriss der Wunschimmobilie
  6. Personalausweis oder Reisepass

Diese Unterlagen entsprechen gängigen Checklisten von Baufinanzierungsanbietern (Hypofact, 2025; Bestebaufinanzierung, 2025). Je vollständiger Ihre Unterlagen, desto reibungsloser und schneller läuft die Bonitätsprüfung ab.

Was sollten Sie bei der Besichtigung und Prüfung der Immobilie beachten?

Praxis-Tipp
  • Besichtigen Sie die Immobilie immer bei Tageslicht, idealerweise an einem Werktag.
  • Nehmen Sie eine zweite Person mit, möglichst eine bau- oder immobilienerfahrene.
  • Fordern Sie den Energieausweis an, er ist vom Verkäufer vorzulegen (Pflicht nach Gebäudeenergiegesetz).
  • Prüfen Sie Grundbuchauszug auf Lasten, Wegerechte oder ein mögliches Erbbaurecht.
  • Bei älteren Gebäuden: Gutachter oder Bausachverständige hinzuziehen.
  • Protokollieren Sie Mängel und Zählerstände bei der Schlüsselübergabe schriftlich.

Vor dem Kauf sollten Sie die Immobilie gründlich unter die Lupe nehmen. Achten Sie bei der Besichtigung insbesondere auf Dach, Fenster, Dämmung, Heizung, Elektrik sowie auf Anzeichen von Feuchtigkeit oder Schimmel. Verfärbungen an Wänden oder Risse im Putz können auf ernsthafte Baumängel hinweisen, deren Beseitigung teuer werden kann.

Der Grundbuchauszug ist ein weiteres Pflichtdokument vor dem Kauf. Er zeigt Ihnen, wem die Immobilie gehört und ob Lasten wie Hypotheken, Wohnrechte oder Vorkaufsrechte eingetragen sind. Diese Einsicht ist für jeden möglich und sollte kein Käufer auslassen.

Beim Kauf einer Bestandsimmobilie kann ein unabhängiger Bausachverständiger Mängel aufdecken, die dem Laien verborgen bleiben. Die Kosten für diesen Service sind gut investiert, wenn Sie dadurch versteckte Sanierungskosten im fünf- oder sechsstelligen Bereich vermeiden.

Welche Fördermöglichkeiten gibt es beim Immobilienkauf?

Staatliche Förderungen können die Finanzierung spürbar entlasten und sollten schon vor dem Kauf geprüft werden. Das KfW-Wohneigentumsprogramm bietet bis zu 100.000 Euro Förderkredit für den Kauf oder Bau einer selbst genutzten Immobilie, einschließlich bestehender Objekte (KfW, 2026; Förderdatenbank Bund, 2026). Dabei spielt es keine Rolle, ob die Immobilie renovierungsbedürftig oder bereits bezugsfertig ist (KfW, 2026).

Für Familien gibt es ein besonders attraktives Angebot: Wenn Sie eine bestehende Wohnimmobilie kaufen und energieeffizient sanieren, können Familien mit mindestens einem Kind abhängig von Einkommen und Kinderzahl einen Kredit von bis zu 150.000 Euro je Wohneinheit erhalten (KfW, 2026). Voraussetzung ist ein Haushaltsjahreseinkommen von maximal 90.000 Euro bei einem Kind; für jedes weitere Kind erhöht sich diese Grenze um 10.000 Euro (KfW, 2026).

Wichtig dabei: Den KfW-Förderantrag müssen Sie in der Regel vor Unterzeichnung des Kaufvertrags beziehungsweise rechtzeitig über die durchleitende Bank stellen; wird dieser Schritt versäumt, kann der Förderanspruch entfallen (KfW, 2026; Verivox, 2026). Ergänzend lohnt sich auch ein Blick auf regionale Wohnbauförderungen der Bundesländer, die je nach Standort unterschiedliche Konditionen bieten.

Fazit

Den Immobilienkauf vorzubereiten bedeutet vor allem, sich selbst klar zu werden: Was kann ich finanzieren, was brauche ich wirklich, und bin ich gut genug aufgestellt? Die entscheidenden Voraussetzungen vor dem Immobilienkauf sind ein solides Eigenkapitalpolster, eine gute Bonität, realistische Budgetplanung inklusive aller Nebenkosten und eine gründliche Prüfung der Wunschimmobilie. Wenn Sie diese Grundlagen früh klären, vermeiden Sie böse Überraschungen. Als nächsten Schritt empfiehlt sich ein erstes Finanzierungsgespräch mit Ihrer Bank, bei dem Sie mit den oben genannten Unterlagen gut vorbereitet auftreten können.

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Immobilienkauf von der Suche bis zum Einzug?

Der gesamte Prozess, von der Immobiliensuche über Finanzierungsklärung und Notartermin bis zur Schlüsselübergabe, dauert in der Regel mehrere Monate. Viele Ratgeber nennen bei reibungslosem Ablauf einen Zeitraum von etwa vier bis sechs Monaten von der ersten Besichtigung bis zur Besitzübertragung (Dr. Klein, 2026; Justhome, 2023). Je nach Marktlage und Suchdauer kann der Gesamtprozess aber auch kürzer oder deutlich länger ausfallen.

Muss der Kaufvertrag beim Notar beurkundet werden?

Ja, in Deutschland ist die notarielle Beurkundung des Kaufvertrags gesetzlich vorgeschrieben, geregelt in § 311b Abs. 1 BGB. Ohne Beurkundung ist der Vertrag grundsätzlich nichtig (§ 125 BGB), es sei denn, der Formmangel wird durch Auflassung und Eintragung im Grundbuch geheilt. Der Notar klärt beide Parteien auf, liest den Vertrag vollständig vor und beurkundet die Unterschriften. Den Vertragsentwurf sollten Sie idealerweise zwei Wochen vorher erhalten, um ihn in Ruhe zu prüfen.

Wann darf ich den Kaufpreis überweisen?

Erst dann, wenn der Notar Ihnen eine ausdrückliche Fälligkeitsmitteilung schickt. Voraussetzung dafür ist unter anderem die Eintragung der Auflassungsvormerkung im Grundbuch sowie das Vorliegen aller erforderlichen Unterlagen und Genehmigungen (Notar.de, 2026; Dr. Klein, 2025). Eine vorzeitige Zahlung ist riskant, weil Sie dann noch kein gesichertes Eigentum haben.

Kann ich auch ohne Eigenkapital eine Immobilie kaufen?

Grundsätzlich ja, als sogenannte Vollfinanzierung. Das ist aber mit deutlich höheren Zinsen, strengerer Bonitätsprüfung und einem höheren Risiko verbunden (Immobilie.nrw, 2026). Banken vergeben solche Finanzierungen in der Regel nur bei sehr guter Bonität, gesichertem Einkommen und einer Immobilie in guter Lage. Experten raten, mindestens die Kaufnebenkosten aus eigenen Mitteln zu bestreiten (Interhyp, 2025; Bestebaufinanzierung, 2025).

Welche Förderungen gibt es für den Hauskauf?

Das KfW-Wohneigentumsprogramm bietet bis zu 100.000 Euro Förderkredit für Selbstnutzer, die eine Immobilie kaufen oder bauen (KfW, 2026). Familien mit Kindern können unter bestimmten Einkommensgrenzen sogar bis zu 150.000 Euro Kredit erhalten, wenn sie eine bestehende Immobilie kaufen und gleichzeitig energieeffizient sanieren (KfW, 2026). Wichtig: Der Antrag muss rechtzeitig vor Abschluss des Kaufvertrags über die finanzierende Bank gestellt werden, sonst entfällt der Anspruch (KfW, 2026).

Lena Hoffmann

Lena Hoffmann

Lena Hoffmann beschäftigt sich mit Themen rund um Wohnen, Immobilien und Wohntrends. In ihren Beiträgen legt sie Wert auf verständliche Informationen, praktische Tipps und eine klare Orientierung für Leserinnen und Leser.